Liebe Lovebirds,

auf unserer Plattform geht es ja nicht nur um die Paarbeziehung, sondern auch generell um ein liebendes Leben, das sich auch auf viele andere Bereiche erstreckt, z.B. auf Umweltschutz, Artenleben, Achtsamkeit usw., also auf alles, was unser Leben lebenswert macht. Ihr habt ja sicher schon mitbekommen, dass jeden Freitag die Schüler streiken, um die Regierung zu zwingen, mehr für den Klimaschutz zu tun. Im folgenden Artikel geht es genau darum.  Denn auch hier kann man gemeinsam glückwärts gehen.

Eure Julia.

 

 

LOVEBIRDS ALLER LÄNDER, VEREINIGT EUCH!


 

Warum nicht nur die Jugend die Welt vor dem Klimakollaps retten kann

„Was nämlich jeder voraussieht, lange genug, dennoch geschieht es am End‘“ – diese prophetischen Worte beschließen das Theaterstück „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch. Auf unser Thema bezogen bedeutet dies: Seit über 50 Jahren wissen wir, dass die Erderwärmung unser Dasein schneller zum Erlöschen bringen kann als von der Natur vorgesehen; dennoch haben weder wir selbst noch die Politiker (bis auf die GRÜNEN) das Thema wirklich zur alles überwölbenden Chefsache gemacht. Eine Konferenz jagte zwar die andere, ein Symposium folgte auf das nächste, Klimaziele wurden vereinbart, Grenzwerte festgelegt – geholfen hat all dies nichts. Als dann noch die USA unter der Führung ihres irrlichternden Präsidenten aus dem Pariser Abkommen ausstiegen und Fake News wie „Am Klimawandelt sind nur die Chinesen schuld“ die Runde machten, war es erst einmal vorbei mit des Menschen ureigenster Gabe, der Rationalität. Was in den 1970er Jahren als Folge und Beimischung der Studentenbewegung, der Friedensbewegung, der Frauenbewegung und der Ökobewegung begann und in Proteste wie „Atomkraft? Nein Danke!“ mündete, ging zehn Jahre später in der Spaßgesellschaft („Piep, piep,piep, Guildo hat Euch lieb“) vollkommen unter und wurde schließlich ganz aufgebeben. Themen wie „Waldsterben“, „Ozonloch“, „FCKW freie Sprays“ oder die Abholzung des Regenwaldes standen nicht mehr auf der Tageordnung. AIDS beherrschte die Schlagzeilen, ein paar Jahre später war es der Irakkrieg, dann die Jahrtausendwende, der elfte September, der zweite Irakkrieg, der Islamische Staat, die Migrationsdebatte. Das Klima? Fehlanzeige. „So schlimm wird es schon nicht kommen!“ „Vom Waldsterben spricht auch keiner mehr.“ „Alles Unsinn, strenge Winter gab es auch in meiner Kindheit schon.“ All das war auf den Straßen und in den Familien zu hören.

 

 

#FRIDAYS4FUTURE 

Und nun dies. Von heute auf morgen, ohne eine Partei im Rücken, ohne einen Auftrag der UNO, ohne ein Mandat sozusagen, haben Schüler weltweit die Freitage zum Protesttag gewählt. Sie gehen nicht zur Schule, sondern auf die Straße. Angefangen hat all dies mit der 16jährigen Schwedin Greta Thunberg, als sie 2018 nach der monatelangen Dürreperiode, die Europa heimgesucht hatte, in den Schulstreik trat. Es war ihr klar, dass nicht sie, sondern die Erwachsenen an der Katastrophe schuld waren. Und dass es dieselben Erwachsenen sein werden, die verhindern, dass sie und die Jugend der Welt eine gesunde und glückliche Zukunft haben werden. Bald fand sie Gleichgesinnte, aber auch harsche Kritik, im Netz, auf der Straße, in der Schule. Am 15. März 2019 kam es zum ersten Höhepunkt der mittlerweile weltweiten Bewegung #Fridays4Future: In 105 Ländern gingen bei 1660 Aktionen Hundertausende von jungen Menschen auf die Straße. Am 20. September 2019 waren es dann schon 1,5 Millionen in 150 Städten.

 

NUR NOCH 100 JAHRE? 

In Deutschland hatten zuvor noch Politiker wie der selbstverliebte FDP-Vorsitzende Christian Lindner, selbst den Kinderschuhen kaum entwachsen, die Bewegung kritisiert und verlauten lassen, der Klimaschutz gehöre in die Hände von Profis. Damit meint er sicherlich Zeitgenossen wie ihn selbst, der freilich bislang nicht gerade durch eine klimaschützende Haltung aufgefallen ist. Ebensowenig wie Angela Merkel, die die Bewegung zu diesem Zeitpunkt immerhin begrüßte. Vermutlich deshalb, weil auch sie herzlich wenig zum globalen Umweltschutz beigetragen hat, im Gegenteil: Deutschland verfehlt seine selbstgesteckten Ziele jedes Jahr. Kurz vor seinem Tod 2018 sprach der englische Physiker Stephen Hawking davon, dass er der Menschheit, wenn sie so weitermache, nur noch 100 Jahre bis zur Selbstauslöschung gäbe. Und der Club of Rome kämpft schon seit 1968 für eine nachhaltige Zukunft. Alle Ansätze freilich stammten bisher von Erwachsenen und sie haben leider nicht sehr viel gebracht. Denn wie immer, wenn eine Vielfalt von Interessen aufeinanderprallt, fällt eine Einigung schwer. „Politik ist das, was möglich ist“, sagte Angela Merkel auf der Klimakonferenz am 20.09. 2019 in New York.

 

WIE FINDET ZUKUNFT STATT?

 

Da haben es die Schüler einfacher. Sie wissen, dass sie die letzte Generation sind, die etwas gegen den Klimawandel tun können. Danach ist das Unheil nicht mehr aufzuhalten. Und sie wissen, was sie wollen: die Erwachsenen dazu bringen, eine vernünftige Klimapolitik zu  machen. Deshalb streiken sie. Weltweit. Jeden Freitag. Und es schließen sich ihnen immer mehr Schüler an, auch Wissenschaftler übrigens, die ihrem Handeln recht geben. Die Politik, die Schulleiter, oftmals auch die Eltern stehen dabei vor einem Problem: Sie wissen nicht, wie sie mit dieser Bewegung, die sie zu überrollen droht, umgehen sollen. So schlagen sie Kompromisse vor: Demonstrieren ja, aber bitte doch am Samstag. Oder: Alle Themen werden im Unterricht besprochen usw. Den Schüler aber ist klar: Wenn sie nicht am Freitag „schwänzen“, werden sie nicht ernst genommen. Natürlich herrscht in Deutschland Schulpflicht. Aber kann man ALLE Schüler, wenn sie streiken, dann bestrafen? Und wie oder womit? Und weshalb sollte man jemanden an den Pranger stellen, der für eine bessere Zukunft kämpft, eine Zukunft, welche die Erwachsenen fast schon ruiniert haben? #Fridays4Future betrifft alle Menschen, gleich welcher Hautfarbe, Religion und Herkunft. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass eine Revolution von Kindern ausgeht. Deshalb sind die Erwachsenen so unsicher. Bei Studentenprotesten und anderen Demonstration wissen die Mächtigen immer, wie sie reagieren sollen: Mit Gewalt. Aber Gewalt gegen Kinder? Das trauen selbst sie sich nicht.

 

#TEACHERS FOR PUPILS

 

Eines aber wundert mich: Weshalb stellen sich die Lehrer und Schulleiter nicht an die Seite der Schüler? Sind diese nicht ihre Schutzbefohlenen? Ich weiß, Staatsbedienstete dürfen nicht streiken. Aber müssen sie deshalb so angepasst und feige sein, es nicht zu tun? Was würde denn geschehen, wenn sie die Kinder unterstützen würden? Würden sie kein Gehalt mehr bekommen? Das fürchten sie vermutlich am meisten. Würden sie aus dem Schuldienst entlassen werden? Kaum. Würden sie standesrechtlich erschossen werden? Ausgeschlossen. Denn irgendjemand muss ja die Kinder unterrichten. Und dazu bedarf es eben ausgebildeter Kräfte. Mein Vorschlag: Unter dem Hashtag #Teachers4Pupils könnten sie sich verabreden. Das wäre die nächste Revolution.

 

UNGEHORSAM ALS PLFICHT

Vor 170 Jahren verfasste der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau eine bemerkenswerte Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“, die später als Vorbild für Mahatma Gandhis „Gewaltlosen Widerstand“ diente. Auch die französische Resistance im Zweiten Weltkrieg sah in diesem kleinen Essay eine Rechtfertigung ihres Handelns. „Wenn aber das Gesetz so geartet ist“, schreibt Thoreau, „dass es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann brich das Gesetz. Mach’ dein Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. Auf jeden Fall muss ich zusehen, dass ich mich nicht zu jenem Unrecht hergebe, das ich verdamme.“ Und genau das tun eben Politiker, Lehrer und oftmals auch die Eltern der Kinder. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn sie Seite an Seite mit den Schülern an jedem kommenden Freitag mitziehen würden. Noch tun sie es nicht. Aber wenn erst einmal alle Schüler, ohne Ausnahme, sich diesem einmaligen, gewaltigen Protest hingeben, dann wird vermutlich sogar Christian Lindner mitprotestieren. Schließlich muss die FDP bei der nächsten Bundestagswahl über die Fünf-Prozent-Hürde kommen, was ohne Solidarität mit den Schülern kaum vorstellbar ist. Und alle anderen Parteien und Politiker täten gut daran, sich das Umweltthema ebenfalls auf die Fahne zu schreiben. Denn wenn wir den Klimaschutz weiterhin so stiefmütterlich behandeln, wie bisher, in der Hoffnung, es werde schon nicht so schlimm kommen wie prognostiziert, dann wird es bald auch keine Politiker mehr geben, die für ihn kämpfen könnten. Die #Fridays4Future Schüler sind schon jetzt ein Vorbild für die Erwachsenen – auch dies ein Novum in der Geschichte von Homo Sapiens. Jahrtausendelang waren die Älteren Vorbild für die Jungen, jetzt ist die Zeit gekommen, da sie auf die Stimme der Kinder hören sollten, nicht nur, wenn sie sich ihr Smartphone und ihren Computer von ihnen erklären lassen wollen. Der biblische Satz „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ bekommt angesichts der streikenden Schüler eine gänzlich neue, ungeahnte Dimension, von der unser aller Überleben abhängig ist. „Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt“, lautete einer der Slogans der Studentenrevolution von 1968. Heute müsste der Satz wohl lauten: „Wer sich nicht wehrt, dem ist die Zukunft verwehrt.“ Denn dann tritt das ein, was nämlich jeder voraussieht, und das am Ende dennoch geschieht.

 

 

 

„WIE KONNTET IHR ES WAGEN“

Bei ihrer Rede beim UN-Klimagipfel rief Greta Thunberg mit Tränen erstickter Stimme den Mächtigen, die für das Desaster verantwortlich sind, zu: „Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten? Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme brechen zusammen. Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum. Sie lassen uns im Stich! Aber die jungen Leute beginnen, Ihren Verrat zu durchschauen.“

 

Bei einem zufälligen Treffen auf einem Gang im Gebäude der Vereinten Nationen würdigte Trump die Klimaaktivistin Greta Thunberg keines Blickes. Eher lief er vor ihr davon. Später verspottete er sie auf Twitter: „Sie wirkt wie ein glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut. So schön zu sehen.“ Und Michael Knowles, der immerhin eine eigene Sendung auf dem Trumptreuen TV-Sender FOX hat, schämte sich nicht, Greta Thunberg, die an einer milden Form des Autismus leidet, „das geisteskranke Kind aus Schweden“ zu nennen.

 

Selbst wenn Greta Thunberg polarisiert: Es sind vor allem Männer, die sich offenbar von einer 16jährigen Schülerin so in die Enge gedrängt sehen, dass sie sich nicht anderes zu wehren wissen als mit Hasskommentaren; das direkte Gespräch, die Auseinandersetzung (oder besser: das Zusammensetzen) fürchten sie. Weshalb? Weil eben, wie es Greta sagte, die Jugend ihren Verrat durchschaut hat. Angela Merkel, die scih bei der UN-Klimakonferenz noch stolz mit ihr ablichten ließ, gehört leider auch zu denen, die sich fürchten. Denn am Tag nach Gretas Wutrede warf sie ihr vor, dass sie keine konkreten Pläne zur Rettung hätte. Da darf man sich schon fragen, ob man das von einer Schülerin erwarten soll, oder ob es nicht die Aufgabe der Regierung wäre, solche bereitzustellen. Und weil diese genau daran scheitert, fürchtet sie die sich nun erhebende außerparlamentarische Opposition. Eine solche gab es in Deutschland schon einmal und aus ihr gingen DIE GRÜNEN hervor.

 

Deshalb, liebe Lovebirds, bitte ich Euch, die Rettung des Klimas mit all Eurem Enthusiasmus und all Euren Kräften zu unterstützen. Wir haben nur diese eine Welt. Und in dieser wollen wir liebend leben. 

 

P.S. 2014 wurde der Friedensnobelpreis an die damals 17jährige Malala Yausafzai verliehen, jenes mutige pakistanische Mädchen, das sich dem Unrecht der Taliban widersetzte, die Frauen von jeglicher Bildung ausschließen wollen; Malala trafen daraufhin Schüsse in den Kopf und in den Hals, doch sie überlebte. Fünf Jahre später, 2019, erhielt Greta Thunberg den Alternativen Nobelpreis – als eine der einflussreichsten Vertreterinnen der Zivilgesellschaft weltweit.

 


Bilder: Markus Spiske|temporausch.com

[ds_preview]